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Gezeichnetes Bannerbild: Kühe auf einem Waldweg im Herbst, dahinter die Berge

Von Scharnitz nach Mittenwald durch den Riedboden

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Es muss nicht immer eine Runde sein. Am 11. Oktober sind wir zu zweit in Scharnitz losgegangen und in Mittenwald angekommen – zwei Orte, zwei Länder, dazwischen knapp acht Kilometer fast ohne Steigung. Der Weg folgt dabei einem Fluss, der auf dieser Strecke noch tun darf, was er will.

Erst einmal aus dem Ort hinaus

Die Isar entspringt im Karwendel und ist in Scharnitz noch ein schmales, sehr klares Gewässer. Sie läuft türkis über helle Steine, links und rechts stehen die Hänge dicht am Wasser. Wer hier das erste Mal steht, hält sie kaum für denselben Fluss, der später durch München geht.

In Scharnitz waren wir erst eine Woche vorher unterwegs, damals hinauf zur Birzlkapelle und über den Karwendelsteg. Diesmal ging es in die andere Richtung. Hinter den letzten Häusern liegen Weiden. Drei Pferde standen auf der ersten, und sie hatten erkennbar nichts dagegen, beim Fressen beobachtet zu werden.

Eines kam bis an den Zaun und blieb dort stehen. Es sollten an diesem Tag nicht die letzten Tiere bleiben, im Gegenteil.

Durch den Wald nach Norden

Der Weg verlässt die Isar für eine Weile und zieht durch Fichtenwald. Es geht kaum bergauf: Über die ganze Strecke kommen 70 Höhenmeter hinauf und 110 wieder hinunter zusammen. Das merkt man in den Beinen praktisch nicht – man geht einfach.

Im Oktober steht die Sonne tief genug, dass sie zwischen den Stämmen durchkommt. Der Boden ist hier weich, moosig und an vielen Stellen offen genug für Gras.

Zwischendurch liegen stille Wasserflächen neben dem Weg, Reste alter Flussarme. Was dort wächst, hatte im Oktober längst abgeblüht – schön anzusehen war es trotzdem.

Was der Riedboden eigentlich ist

Nördlich des Scharnitzpasses wird das Tal breit, und genau dort liegt der Riedboden. Er ist seit dem 28. Mai 1982 Naturschutzgebiet und umfasst 146,39 Hektar auf rund 930 bis 940 Metern Höhe – verwaltungstechnisch Mittenwald, Landkreis Garmisch-Partenkirchen, also bereits Bayern.

Geschützt wird hier ausdrücklich der Wildflusscharakter der Isar: ein Fluss, der sein Bett noch selbst verlegen darf, mit Schotterflächen, die bei jedem Hochwasser neu entstehen. Dazu kommen die Buckelwiesen, eine geologische Besonderheit der Gegend, und Lebensräume, die in Bayern selten geworden sind.

Durch den Riedboden sind wir übrigens schon einmal gekommen, damals mit dem Rad auf dem Weg von Seefeld nach Weilheim – im Sattel sieht man davon deutlich weniger.

Zwei Vögel stehen stellvertretend dafür: der Flussregenpfeifer – Vogel des Jahres 1993 – und der Flussuferläufer. Beide brüten auf offenem Kies direkt am Wasser. Wo Flüsse begradigt und eingedämmt werden, verlieren sie genau diesen Platz.

Quellen: Wikipedia – Riedboden und Alpenwelt Karwendel

Vorfahrt für Kühe

Was im Beitrag bisher fehlt, ist die eigentliche Hauptrolle dieses Tages. Auf den Wiesen im Riedboden lagen Kühe in der Mittagssonne, und zwar überall.

Dann kam uns eine ganze Gruppe auf dem Weg entgegen. Ausweichen war nicht vorgesehen – wir sind stehengeblieben und haben gewartet, bis sie vorbei waren. Mehr dazu, welchen Tieren Du im Herbst hier begegnest und wie Du Dich dabei verhältst, steht im Beitrag Welche Tiere Du im Herbst im Karwendel und Wetterstein siehst. Das ist ohnehin die richtige Reaktion: Ruhig stehenbleiben, nicht zwischen Tiere gehen und Hunde kurz nehmen.

Und dann das Kiesbett

Kurz vor Mittenwald öffnet sich alles. Der Wald hört auf, und vor einem liegt eine breite helle Fläche aus Schotter, durch die sich das Wasser in mehreren Armen sucht. Das ist der Teil, für den man hierherkommt.

Genau diese Flächen sind der Grund für den Schutzstatus. Und sie sind im Frühjahr und Sommer der Brutplatz der beiden Vogelarten von oben: Beide legen ihre Eier direkt auf den offenen Kies, wo sie kaum zu sehen sind. Deshalb bleibt man hier auf den Wegen, so verlockend die weite Fläche auch aussieht.

Danach ist es nicht mehr weit. Der Weg führt am Ried vorbei nach Mittenwald hinein, und man steht nach knapp drei Stunden im Ort.

Wenn Du selbst gehen willst

Das ist eine Tour für alle. Sie hat keine Steigung, die diesen Namen verdient, der Untergrund ist durchgehend breit und fest, und sie geht von Bahnhof zu Bahnhof. Scharnitz und Mittenwald liegen beide an der Mittenwaldbahn, Du brauchst also kein Auto und musst nicht zum Ausgangspunkt zurück.

Zwei Hinweise gibt es doch. Du überquerst eine Staatsgrenze – ein Ausweis gehört in den Rucksack, auch wenn normalerweise niemand danach fragt. Und im Naturschutzgebiet gilt: auf den Wegen bleiben, Hunde an die Leine, nichts mitnehmen. Das ist kein Schikane-Paragraf, sondern der Grund, warum es dort so aussieht.

Wann es sich besonders lohnt

Der Oktober ist ideal. Das Laub färbt sich, die Luft ist klar, und auf den offenen Flächen steht die Sonne noch warm, während es im Wald längst kühl wird. Dazu kommt, dass die Tiere zu dieser Zeit noch draußen auf den Wiesen stehen.

Im Frühsommer ist der Riedboden grüner, aber empfindlicher – dann brüten die Vögel im Kies. Begehbar ist die Strecke das ganze Jahr über; im Winter verläuft durch den Riedboden außerdem eine Loipe.

Die Tour in Zahlen

  • Strecke: 7,7 Kilometer
  • Aufstieg: 70 Höhenmeter
  • Abstieg: 110 Höhenmeter
  • Gesamtzeit: 2 Stunden 53 Minuten
  • Start: Scharnitz in Tirol
  • Ziel: Mittenwald in Bayern
  • Datum: 11. Oktober 2026

Die Aufzeichnung bei Komoot: Scharnitz nach Mittenwald durch den Riedboden. Dort findest Du den genauen Verlauf, das Höhenprofil und kannst die Strecke direkt aufs Handy laden.

Flach, breit, gut markiert und von Bahnhof zu Bahnhof – leichter wird eine Tour kaum. Dafür gebe ich der Tour eine 2.

Naturlust-Skala für den persönlichen Schwierigkeitsgrad: zehn Stufen von 1 leicht in Grün bis 10 extrem schwer in Rot

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Carola & Stephan

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